Physiopoly · Berufswege

Physiotherapeut werden

Es gibt zwei Wege in den Beruf: die schulische Ausbildung und das Studium. Beide enden mit der staatlichen Berufszulassung und dem geschützten Titel. Hier findest du alle wichtigen Infos zu beiden Wegen.

Physiotherapie in der Praxis

Welcher Weg passt zu dir?

Hake an, was auf dich zutrifft.

Die Ausbildung passt, wenn du

Das Studium passt, wenn du

Hake an, was auf dich zutrifft – wir zeigen dir, welcher Weg eher passt.

Ausbildung oder Studium

KriteriumAusbildungStudium
DauerAusbildung3 Jahre (verkürzbar)Studium6 bis 8 Semester
OrtAusbildungstaatlich anerkannte BerufsfachschuleStudiumHochschule
ZugangAusbildungmittlere Reife, kein Abitur nötigStudiummeist Abitur oder Fachabitur, oft ohne NC
AbschlussAusbildungstaatliche PrüfungStudiumstaatliche Prüfung und Bachelor of Science
KostenAusbildungje nach Bundesland oft schulgeldfrei, sonst bis etwa 500 Euro im MonatStudiumstaatlich nur Semesterbeitrag, privat bis rund 27.000 Euro gesamt
VergütungAusbildungnur an Klinik- und öffentlichen TrägernStudiumim dualen Modell oft über den Praxispartner
Ø Gehalt im JahrAusbildungrund 43.800 EuroStudiumrund 48.000 Euro
KarriereAusbildungBehandlung, Spezialisierung, eigene PraxisStudiumzusätzlich Lehre, Forschung, Management, Master
VerfügbarkeitAusbildungbundesweit sehr viele SchulenStudiumwenige Standorte
Aktueller Stand zur Reform. Die schulische Ausbildung läuft nicht aus.Mehr
  • Es gibt kein neues Berufsgesetz in Kraft, das Masseur- und Physiotherapeutengesetz von 1994 gilt weiter.
  • Geplant ist nur eine Teilakademisierung mit zwei parallelen Wegen, eine vollständige Verlagerung ins Studium ist politisch abgelehnt.
  • Beschlossen ist bereits die Blankoverordnung (seit 1. November 2024) und die dauerhafte Zulassung der primärqualifizierenden Studiengänge (seit Ende 2024).
Schule findenAlle Physiotherapie-Schulen in Deutschland mit Karte, Schulgeld und Kontakt.
Voraussetzungen
  • Realschulabschluss oder gleichwertig, oder eine andere zehnjährige Schulbildung, oder Hauptschulabschluss mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung
  • gesundheitliche Eignung, nachgewiesen durch ein ärztliches Attest
  • ein Abitur ist nicht erforderlich
  • viele Schulen verlangen zusätzlich ein erweitertes Führungszeugnis, ein Vorpraktikum oder einen Eignungstest, häufig ein Mindestalter von 17 Jahren

Grundlage: Paragraf 10 Masseur- und Physiotherapeutengesetz. Führungszeugnis und Mindestalter sind Vorgaben der einzelnen Schulen, nicht des Bundesgesetzes.

Kosten und Schulgeld

Das Schulgeld ist Sache der Bundesländer und sehr unterschiedlich. An öffentlichen Schulen ist der Unterricht kostenfrei, private Berufsfachschulen erheben oft Gebühren. Laut einem Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums waren im Schuljahr 2018/19 rund 63 Prozent der Ausbildungen schulgeldpflichtig, im Mittel 250 Euro im Monat. Inzwischen haben viele Bundesländer die Schulgeldfreiheit eingeführt, in anderen fällt weiter Schulgeld an. Zusätzlich entstehen Kosten für Lernmittel, Prüfungsgebühren und Fahrten.

Tipp: Kläre das konkrete Schulgeld immer vor der Anmeldung schriftlich mit der jeweiligen Schule. Einen Überblick, welche Schulen schulgeldfrei sind, gibt unsere Schulliste.

Vergütung und Förderung

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Bezahlt wird vor allem an Schulen in Trägerschaft öffentlicher oder kommunaler Kliniken. 2019 erhielten nur etwa 7,5 Prozent der Auszubildenden eine Vergütung. Wo nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes gezahlt wird, liegt sie aktuell zwischen rund 1.365 Euro im ersten und 1.522 Euro im dritten Jahr.

  • Schüler-BAföG
  • Berufsausbildungsbeihilfe und Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, zum Beispiel bei Umschulung
  • in Einzelfällen Aufstiegs-BAföG
Ablauf und Dauer

Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist seit 1994 bundesweit einheitlich geregelt. Sie wechselt zwischen theoretischem und praktischem Unterricht an der Schule und praktischen Einsätzen am Patienten, meist in Kliniken, Praxen und Reha-Einrichtungen. Im ersten Jahr überwiegt die Theorie, danach nehmen die Praxiseinsätze zu. Am Ende steht die staatliche Prüfung.

Verkürzen, Teilzeit, Quereinstieg
  • Verkürzung bei guter Leistung auf etwa 2,5 oder 2 Jahre möglich
  • Teilzeit bis zu 5 Jahre möglich
  • für Masseure und medizinische Bademeister gibt es eine verkürzte Ausbildung mit Ergänzungsprüfung
  • keinen zentralen Numerus Clausus, die Auswahl läuft über die einzelne Schule, begehrte schulgeldfreie Plätze sind stark gefragt

Inhalte und Fächer

Der theoretische und praktische Unterricht umfasst 2.900 Stunden. Die wichtigsten Fächer und ihr Stundenumfang nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung:

FachStunden
  • Methodische Anwendung der Physiotherapie in den Fachgebieten700
  • Krankengymnastische Behandlungstechniken500
  • Spezielle Krankheitslehre360
  • Anatomie240
  • Massagetherapie150
  • Physiologie140
  • Bewegungserziehung120
  • Befund- und Untersuchungstechniken100

Dazu kommen die 1.600 Stunden praktische Ausbildung am Patienten, verteilt auf Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie (je 240), Pädiatrie (160), Psychiatrie und Gynäkologie (je 80) sowie frei verteilbare Einsätze.

Die staatliche Prüfung

  • Schriftlich

    vier Aufsichtsarbeiten über zwei Tage, zusammen 405 Minuten

  • Mündlich

    Anatomie, Physiologie und Spezielle Krankheitslehre

  • Praktisch

    Behandlung an zwei Patienten in mehreren Fächergruppen

Jeder Teil ist nur bestanden, wenn in jedem Fach mindestens ausreichend erreicht wird. Danach wird die Erlaubnis erteilt, die Berufsbezeichnung Physiotherapeut oder Physiotherapeutin zu führen.

Häufige Fragen

Brauche ich Abitur?

Nein. Für die Ausbildung reicht in der Regel die mittlere Reife. Ein Abitur ist nur für viele Studiengänge nötig.

Gesetzlich vorausgesetzt wird ein Realschulabschluss oder ein gleichwertiger Abschluss, eine andere zehnjährige Schulbildung oder ein Hauptschulabschluss mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung. Dazu kommt die gesundheitliche Eignung, die du mit einem ärztlichen Attest nachweist.

Viele Schulen verlangen zusätzlich ein erweitertes Führungszeugnis, ein Vorpraktikum oder einen Eignungstest, häufig auch ein Mindestalter von 17 Jahren. Das sind Vorgaben der einzelnen Schulen, nicht des Bundesgesetzes.

Gibt es einen Numerus Clausus?

Keinen zentralen NC. Die Schulen wählen selbst aus, oft über Gespräche oder Tests. An kostenfreien Schulen gibt es viele Bewerber:innen auf wenige Plätze.

Entscheidend sind also die Auswahlkriterien der jeweiligen Schule, nicht eine bundesweite Notengrenze. Besonders gefragt sind die schulgeldfreien Plätze.

Was verdiene ich nach der Ausbildung?

Im Schnitt rund 3.250 bis 3.450 Euro brutto im Monat, je nach Region, Arbeitgeber und Tarif. Im öffentlichen Dienst liegt es tendenziell höher.

Aufs Jahr gerechnet liegt das durchschnittliche Bruttogehalt mit Ausbildung bei rund 43.800 Euro, mit akademischem Abschluss bei rund 48.000 Euro. Als nächste Schritte nach der Ausbildung kommen eine Spezialisierung oder eine eigene Praxis infrage.

Kann ich später noch studieren?

Ja. Nach der Ausbildung ist ein berufsbegleitendes oder additives Studium möglich, teils als Fernstudium und mit Anrechnung der Ausbildung.

Das additive Modell richtet sich genau an bereits ausgebildete Physiotherapeut:innen, die den akademischen Grad nachholen möchten. Für additive Studiengänge und Fernstudiengänge ist eine abgeschlossene Ausbildung sogar Voraussetzung.

Der Bachelor of Science dauert im additiven Modell bis zu 8 Semester. Darauf kann ein Master mit 3 bis 4 Semestern aufbauen.

Wie lange dauert die Ausbildung?

In Vollzeit drei Jahre, in Teilzeit bis zu fünf Jahre. Bei guter Leistung ist eine Verkürzung auf etwa 2,5 oder 2 Jahre möglich.

Insgesamt umfasst die Ausbildung 4.500 Stunden: 2.900 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht an der Schule und 1.600 Stunden praktische Ausbildung am Patienten.

Bekomme ich während der Ausbildung Geld?

Meist nicht. Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Bezahlt wird vor allem an Schulen in Trägerschaft öffentlicher oder kommunaler Kliniken. 2019 erhielten nur etwa 7,5 Prozent der Auszubildenden eine Vergütung.

Wo nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes gezahlt wird, sind es rund 1.365 Euro im ersten und 1.522 Euro im dritten Jahr.

Finanziell unterstützen können dich das Schüler-BAföG, die Berufsausbildungsbeihilfe, der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit (zum Beispiel bei einer Umschulung) und in Einzelfällen das Aufstiegs-BAföG.

Was kostet die Ausbildung?

Das hängt vom Bundesland und von der Schule ab. An öffentlichen Schulen ist der Unterricht kostenfrei, private Berufsfachschulen erheben oft Schulgeld, je nach Schule bis etwa 500 Euro im Monat.

Im Schuljahr 2018/19 waren rund 63 Prozent der Ausbildungen schulgeldpflichtig, im Mittel 250 Euro im Monat. Inzwischen haben viele Bundesländer die Schulgeldfreiheit eingeführt, in anderen fällt weiter Schulgeld an.

Rechne zusätzlich mit Kosten für Lernmittel, Prüfungsgebühren und Fahrten. Kläre das konkrete Schulgeld immer vor der Anmeldung schriftlich mit der jeweiligen Schule.

Wo finden die Praxiseinsätze statt?

Meist in Kliniken, Praxen und Reha-Einrichtungen. Im ersten Jahr überwiegt die Theorie, danach nehmen die Praxiseinsätze zu.

Die 1.600 Praxisstunden verteilen sich auf Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie und Neurologie (je 240 Stunden), Pädiatrie (160), Psychiatrie und Gynäkologie (je 80) sowie frei verteilbare Einsätze.

Wie läuft die Abschlussprüfung ab?

Die staatliche Prüfung hat drei Teile: schriftlich vier Aufsichtsarbeiten über zwei Tage (zusammen 405 Minuten), mündlich Anatomie, Physiologie und Spezielle Krankheitslehre, praktisch die Behandlung an zwei Patienten in mehreren Fächergruppen.

Jeder Teil ist nur bestanden, wenn in jedem Fach mindestens „ausreichend“ erreicht wird. Danach darfst du die geschützte Berufsbezeichnung Physiotherapeut oder Physiotherapeutin führen.

Geht die Ausbildung auch als Quereinstieg oder Umschulung?

Ja. Die Ausbildung ist auch in Teilzeit mit bis zu fünf Jahren möglich. Bei einer Umschulung kommt eine Förderung über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit infrage.

Für Masseure und medizinische Bademeister gibt es eine verkürzte Ausbildung mit Ergänzungsprüfung.

Läuft die schulische Ausbildung bald aus?

Nein. Es gibt kein neues Berufsgesetz in Kraft, das Masseur- und Physiotherapeutengesetz von 1994 gilt weiter.

Geplant ist nur eine Teilakademisierung mit zwei parallelen Wegen, also Ausbildung und Studium nebeneinander. Eine vollständige Verlagerung ins Studium ist politisch abgelehnt.

Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Schulgeld, Vergütung und Studiengebühren ändern sich und unterscheiden sich je nach Schule, Hochschule und Bundesland. Prüfe die konkreten Zahlen vor einer Anmeldung direkt bei der jeweiligen Einrichtung.

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